Auswärtsspiel im kalten Norden

Schon direkt nach der Auslosung des Champions League-Achtelfinals begannen die Planungen für einen Ausflug zum Hinspiel gegen LSK Kvinner aus Lilleström, 18 km östlich von Oslo in Norwegen. Für die einen wurde letztendlich ein Kurzurlaub draus und andere kamen extra und nur für das Spiel am Mittwoch angereist. Doch schon das Thema „Anreise“ sollte kurzfristig noch für Aufregung sorgen. Einige hatten den Flug per Lufthansa gebucht und mussten bis ca. 24 Stunden vor dem Abflugtermin zittern und hoffen, dass der Streik nicht spontane Änderungen herbeirufen würde. Doch alles ging gut und so machten sich die ersten schon Dienstag Abend und der Rest im Laufe des Mittwoch auf den Weg nach Oslo. Entgegen aller Vorbereitungen und Erwartungen gestaltete sich der Fußmarsch mitten in Nacht zu der Herberge in Oslo-City als doppelt so weit wie geplant, da rund um den Bahnhof keinerlei Straßennamen zu erkennen waren. So sind wir mehrere Umwege gelaufen, haben die Stadt bei Nacht erlebt und sind schließlich müde und erleichtert angekommen. Nach nur wenigen Stunden Schlaf wurden die Festung Akerhus, das Rathaus und der Hafen besichtigt. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns und so konnten wir die Stunden bis zum Abendspiel genießen.

Für das Spiel mussten wir die Innenstadt verlassen und mit dem Zug nach Lilleström fahren, wo man uns direkt nett empfangen und bei dem Weg ins Stadion geholfen hat. Dort angekommen traf man nach und nach auch den Rest der Reisegruppe, bis wir schließlich zu einem Team von 12 Fans unsere Plätze im Stadion suchten. Zunächst fanden wir diese in Höhe der Mittellinie bis man uns jedoch bat, weiter an den Rand zu rutschen, damit der Abstand zu den Fans des LSK Kvinner und deren Fanclub „Kanari Fansen“ größer wurde. Grund: man vermutete Krawalle, und das im Frauenfussball. Wir kamen der Bitte nach und erlebten auch von unseren sicheren Plätzen etwas seitlicher eine spannende und gute Partie unserer Mädels. Nachdem es in den anderen Wettbewerben in den letzten Wochen nicht ganz so gut lief, durften wir uns dieses Mal wieder über Tore von Mandy und KG freuen. Am Ende hieß es 2:0 für den FFC, eine gute Ausgangsbasis für das Rückspiel am 18.11.2015 in Frankfurt.

Die meistens Fans flogen schon am nächsten Tag wieder heim, manche mussten aufgrund des Streiks noch spontan umbuchen. Melissa und ich blieben noch ein paar Tage in der norwegischen Hauptstadt und sammelten tolle Eindrücke. Noch am Abend nach dem Spiel wurden wir kreativ und hatten viele neue Ideen, um unsere Mannschaft mit Liedern zu unterstützen. Vielleicht wird man schon bald einiges davon im Stadion hören… Am Donnerstag ging es mit der Bahn hoch auf den berühmten Berg „Holmenkollen“. Zunächst wanderten wir an den Langlauf/Biathlon-Strecken entlang, bevor die erste kleinere Skisprungschanze in Sicht kam, hier wurde offenbar wenige Momente vorher noch trainiert, wir verpassten es nur knapp. Ein paar Schritte entfernt thronte die Großschanze, die wir genauer inspizierten. Neben dem Besuch des Schanzenturms mit einer grandiosen Aussicht über die Stadt und den Oslofjord, besichtigten wir das Skimuseum und einen Ski-Simulator, in dem man nachfühlen konnte, wie es ist einen 100m-Sprung hinzulegen oder eine Weltcup-Abfahrt bei 130 km/h hinunter zu rasen. Mit dem Sonnenuntergang verließen wir schließlich die Sportstätten und fuhren zurück in die City.

Am nächsten Tag gingen wir im „Fram-Museum“ auf Polarexpedition. Hier lernten wir auf eindrucksvolle Art die Geschichte von norwegischen Polarreisen kennen und konnten uns auf dem Forschungsschiff Fram mit dem Original Interieur ein Bild von den damaligen Strapazen machen. Da das Wetter weiterhin gut mitspielte, beschlossen wir für den Nachmittag per Fähre in den Fjord zu fahren. Zur Nebensaison verkehrt leider nur eine Fähre, die die naheliegenden Inseln im stündlichen Rhythmus anfährt. Auch auf den Inseln merkten wir, dass die Saison vorüber ist. Der Wunsch nach Kaffee wurde nicht erfüllt, die Sommerhäuschen waren nahezu alle verlassen. So blieb uns nix anderes übrig, als auf die nächste Fähre zu warten. Da es schon frühzeitig dunkel wurde verzichteten wir auf weitere (einsame) Inselausflüge und genossen die Fahrt mit mehreren Stopps bis wir schließlich wieder im Hafen ankamen. Den Tag beendeten wir dann mit einem Besuch des Opernhauses. Der imposante Bau ähnelt einem Eisberg. Schon viele Kilometer steckten uns in den Beinen, doch für eine Aussicht über die Stadt im Dunkeln war uns auch dieser Anstieg nicht zu viel. Wir stellten schließlich auch fest, dass es wesentlich steiler und anstrengender aussieht, als es tatsächlich ist.

Für den nächsten Tag hatten wir uns nicht mehr viel vorgenommen, da am Nachmittag der Flug zurück nach Frankfurt anstand. Daher gingen wir nur nochmal kurz in die Stadt und wählten den Weg Richtung Königsschloss, schließlich sollte man dort auch mal gewesen sein :). Die Rückreise mit typischen Norwegen-Souvenirs (warme Strick-Pullover) verlief problemlos, sodass wir abends wieder deutschen Boden unter den Füßen hatten.

Abschließend kann man sagen, dass es ein sehr schöner, erlebnisreicher und mit dem Sieg auch erfolgreicher Urlaub war. Es lohnt sich immer neben den Auswärtsspielen in der Champions League einen kleinen Kurzurlaub zu planen, um auch andere Länder, Leute und Kulturen kennenzulernen.


Morgen steht dann schon das Rückspiel gegen LSK Kvinner auf dem Programm. Wir hoffen auf zahlreiche Unterstützung. Auch wenn wir mit einem guten Vorsprung ins Spiel gehen, ist das Viertelfinale noch nicht sicher, es wird jede Stimme gebraucht!